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Theater der Zeit - 01. April 2009
Das Audiomagazin für Theater und Politik
Die toten Seelen Fotoprobe: Im Parkett ist die Aufstellungsordnung gestört. Ein Kamerateam des RBB baut sich direkt vor den angestammten Plätzen einiger Fotografen auf. Plötzlich weht ein Hauch altes DT bis in den ersten Rang hinauf. Wer neu ist, darf sich nicht vordrängeln, soll froh sein, wenn er überhaupt vorkommt. Fernsehen hat Vorfahrt? Aber nicht im DT, niemals. „Wir sind alle aggressiv“, sagt einer der im Saal postierten Fotografen, ein Patriarch mit Teleobjektiv - und wie er das in aller Ruhe kundtut, klingt es, als verlese er gerade die Hausordnung. Das Fernsehen macht, was in solchen Augenblicken ratsam erscheint: Es duckt sich tief in die Reihe. (...)
Vom Umherschieben der Masse Eine Stadt übt den Ausnahmezustand. Straßensperren, Helikopter, Polizeigrün und BGS-Blau, Tausende von Demonstranten und Gegendemonstranten: Dresden, eine Festung. Wer am 13. Februar in die Stadt kam, dem bot sich die durch Polizeipräsenz erzwungene Ruhe einer Stadt, die einmal im Jahr nicht nur um ihr Gesicht kämpft, sondern irgendwie auch um das des Landes. Dresdens hadernder, zugleich hochemotionaler Umgang mit dem 13. Februar 1945, dem Tag seiner Zerstörung durch die Alliierten, ist ein deutsches Problem. Wie viel Trauer, wie viel Nostalgie, wie viel Identifizierung darf sein? Die extreme Rechte gibt seit Jahren den Ton an und ruft mit Fackeln und Bannern („Der Bombenholocaust lässt sich nicht widerlegen“) zur Volkstrauer auf. In diesem Jahr wurde daraus ein schauerlicher Triumphzug; vom größten Aufzug rechter Demonstranten in der Geschichte der Bundesrepublik ist die Rede. (...)
Dauerlächelnde Möbelpacker Es ist eine Idee, die etwas Befreiendes hat: Der Künstler entzieht sich und seine Biografie der Öffentlichkeit, um sein Werk und dessen Wirkung umso deutlicher hervortreten zu lassen. In einer mediatisierten Welt allein das: hohe Kunst. Und eine geniale PR-Idee: sich in einer nach Bildern lechzenden Zeit eben diesen zu verweigern und gerade dadurch die Neugier der bildergeilen Medien zu einem Hype zu pushen. Solcherlei Kalkül ist man versucht dem Komponisten, Musiker, Schriftsteller und „unsichtbaren Menschen“ Peter Licht zu unterstellen. Denn häufiger als über seine oft mehrdeutigen und widersprüchlichen Texte rätselt die Öffentlichkeit über seinen wahren Namen und das auf Fotos von aufflatternden Tauben und fliegenden Tassen verborgene Gesicht. An den Münchner Kammerspielen, die 2003 im Theaterprojekt „Karoshi. Tod durch Überarbeitung“ Peter Lichts Musik erstmals auf die Theaterbühne brachten, um dann 2006 in der Regie von Christiane Pohle mit der Uraufführung seines Texts „Wir werden siegen! Und das ist erst der Anfang“ nachzulegen, kuratierte der Selbstverbergungskünstler nun ein „Festival vom unsichtbaren Menschen“ und gab Gelegenheit, sich vom Phantom ab- und den Inhalten zuzuwenden. (...)
inkl. USt.
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