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Die Macht der Verführung
| Fassung: |  | vollständige Lesung | | Sprecher: |  | Jean Baudrillard
| | Produktionsjahr: |  | 2006 | | Spieldauer: |  | 55 Minuten | | Größe: |  | 50,03 MB |
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Die Macht der Verführung: Sie unterläuft die Wahrheit und die Kräfte der Produktion, sie erledigt, parodiert den Sinn und lockt uns ins Spiel. Die Macht der Verführung ist die Macht des Weiblichen. Das Weibliche aber ist unwiderstehlich: der reine Schein - substanzlos, mysteriös, ungeheuer. So beginnt Baudrillard uns die Geschichte der Verführung zu erzählen, eine Geschichte, die immer wieder beginnt, die nie zum Ende kommt.
Es geht nicht um Sex. Es geht nicht um Lust. Das Sexuelle ist flach und banal, nur Physiologie, Mechanik, Sport - die Verführung dagegen eine Herausforderung, ein Duell, "geheime Distanz", eine Beziehung der Überbietung, der Entgegnung. Sie favorisiert das Schwache, kreist um leere Begriffe, arbeitet mit Magie und Zauber. Die Verführung ist ritueller Tausch: "Ich kann nur verführen, wenn ich schon verführt bin, und niemand kann mich verführen, ohne selbst schon verführt zu sein." Baudrillard, der Verführer, führt uns durch alle Arten der Verführung: Die Verführung Gottes, der Götter, der Toten, der Frau, des Spiels.
Aber was für arme, schwache Zeiten für die Verführung: Wir sind eine Kultur der "ejaculatio praecox" - Triebabfuhr und Befriedigung stehen auf dem Programm! Es ist die Zeit der Wahrheitsapostel und Sinnstifter, der Produzenten, Klone, der Liebe, des Universellen. Gegen diese Übermacht evoziert Baudrillard das Schicksal, die Leidenschaft, das Flüchtige, den Tod! Doch die Macht der Verführung ist auch und gerade dort, wo die Verführung ausgeschlossen, gebannt, exorziert werden soll.
Jean Baudrillard, der große französische Theoretiker spricht hier deutsch. Gelegentlich fällt er für einige, wenige Sätze in seine Muttersprache, um diese dann gleich zu übersetzen: Selten waren Suchbewegungen des Denkens, war Sprachfindung plastischer, präsenter. Und in den Lücken, dem Abgrund zwischen den Sprachen kommt das Unaussprechliche, Namenlose zum Vorschein. So wird die Stimme Baudrillards selber zum Instrument der Verführung: rhapsodisch, beschwörend, lockend... Das uralte Lied... Die Verführung stirbt nie!
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"Dieses Hördokument klingt wie ein letzter Selbstkommentar. Der achtundsiebzigjährige Baudrillard legt in sein philosophisches Extemporieren einen Ton der Heiterkeit, der seinen Ausführungen alle kulturkritische Schwere nimmt und auch nichts von der damals schon fortgeschrittenen Krankheit verrät. Die Sätze wirken beinah wie hingeplaudert, im Spiegel der deutschen Fremdsprache aber ohne die rhetorische Selbstverliebtheit, die diesem und anderen Denkern seiner Generation manchmal anhaftete. Die Zeitdiagnosen wirken wie Tröstungen eines Freundes, der Trübsinn nicht kennt und rechtzeitig vor dem Schlusswort verstummt." - Joseph Hanimann, FAZ "Diese Stimme! Voll und samtig, mit wunderschönem Akzent, beschwört hier ein Franzose die Vorzüge der Verführung: ein Duell zweier Gegenüber, ein Spiel nach Regeln, eine Herausforderung, ein kristallklarer Zustand - was ist dagegen schon die Liebe, dieser Drang nach Verschmelzung? Verführerisch zieht einen Baudrillards Stimme in einen Denkstrudel; er lockt im Gespräch sein für uns unsichtbares, unhörbares Gegenüber zur Zustimmung; man hört ihn in die Hände klatschen und seine Stimme in helle Freude eintauchen, wenn er wieder eine schöne Formulierung gefunden hat." - Christian Esch, Berliner Zeitung "Kurz vor seinem Tod besprach Jean Baudrillard auf Deutsch eine Audio-CD. Es war eines der wichtigen Themen, auf die der französische Philosoph Jean Baudrillard immer wieder gern zurückkam. Worin liegt die Macht der Verführung? Schon der Begriff ist bei Baudrillard eine scharfe Entgegensetzung zur Liebe, die es gewiss gibt, aber das ist eben auch schon alles. Man liebt seine Mutter, die Natur, eine Frau, kleine Vögel, da bleibt Baudrillard eher skeptisch. In einer Welt als Simulation aber, in der es kein Festhalten an der Wirklichkeit gibt, vermag der Mensch selbst Zeichen zu produzieren, um mit ihnen zu verführen. Mit der Verführung lassen sich die Wahrheit und die Kräfte der Produktion unterlaufen, 'sie erledigt, parodiert den Sinn und lockt uns ins Spiel', wie es in dem 1983 erschienenen Essay 'Laßt euch nicht verführen!' heißt. Für eine Audio-CD hat Baudrillard diese Überlegungen im vergangenen Herbst weiterentwickelt - was frei auf Deutsch vorgetragen angenehm samtig klingt. Es ist schön, dem Philosophen ein letztes Mal dabei zuzuhören, wie er sich brüchig in der ungewohnten Sprache vorwärts tastet." - Harald Fricke, die tageszeitung "Die große humanitäre Geste war ihm ein Gräuel, die Demokratie ein virtuelles Schattenspiel und die Warenwelt ein Schein. Die hyperreale Welt der Verführung manipuliere den Kunden. Als lächerlich empfand er aber auch den Anspruch der Linken, die Welt zu ändern. Jetzt ist der einflussreiche Denker 77-jährig in Paris gestorben. Vom bereits schwer kranken Jean Baudrillard erschien als letztes Ende 2006 das Hörbuch 'Die Macht der Verführung'. Auf Deutsch spricht er über Liebe, Sex und Verführung." - dpa "Auf deutsch - mit gelegentlichen und sehr sympathischen französischen Einsprengseln - erfindet Baudrillard beim Nachdenken über die Verführung Worte suchend tolle neue Vokabeln, spricht von 'Verschwindelung' und der 'Wiederbezauberung der Welt'. Schön klingt das..." - Knut Cordsen, Bayern 2 Radio, Hörbuch-Magazin
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